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Auftreten und Befall in Deutschland 2017

Der zu den Vorjahren vergleichsweise kalte Winter, insbesondere im Südwesten Deutschlands, bot den überwinternden Individuen weniger geeignete Überlebensbedingungen als die vorherigen Winter. So verzeichnete die Wetterstation auf dem Versuchsfeld des JKI Dossenheim in den drei Monaten Dezember 2016 bis Februar 2017 insgesamt 51 Frosttage (Tmin < 0 °C) und 10 Eistage (Tmax < 0 °C), dagegen waren es in den gleichen Monaten im Winter 2015/2016 nur 18 Frosttage und 2 Eistage. Monitoringfallen des JKI erfassten von Mitte Januar bis März 2017 auf dem Versuchsfeld in Dossenheim keine und in der umgebenden Landschaft nur wenige Kirschessigfliegen. Mitte April wurden in Obstquartieren (Brombeere, Kirschen, Pflaumen) auf dem Versuchsfeld des JKI in Dossenheim einzelne Individuen gefangen. Auch an bevorzugten Habitaten in der Landschaft im Raum Dossenheim-Mannheim wie beispielsweise an Hecken, Waldrändern und im Wald kam es aufgrund des kalten Winters zu deutlich geringen Fängen als im Vorjahr. Dies spiegelte sich ebenso in den Fangzahlen in Baumkronen (vorwiegend Kiefer) an den Standorten Dossenheim und Mannheim wieder. Des Weiteren wurde die Populationsentwicklung im Frühjahr durch die Mitte April einsetzende 3-wöchige Kälteperiode (Tmin < 3 °C) mit Spätfrösten zwischen dem 19. und 25 April stark verzögert, ebenso wie durch insgesamt fünf Hitzeperioden in den folgenden Monaten (Tmax > 33 °C). Erst ab Spätsommer und Herbst, nachdem die Witterungsbedingungen wieder im günstigen Bereich für die Fliege und ihre Vermehrung lagen, nahmen die Fangzahlen sowohl auf dem Versuchsfeld als auch in der umgebenden Landschaft zwischen Dossenheim und Mannheim sowie in den Wäldern (v.a. Baumkronen) stetig zu. An den typischen Hotspots, beispielsweise mit Efeu überwucherte Robinie zwischen Weinberg und Waldrand, konnten zwischen 7.000 und 13.000 Individuen pro Falle in zwei Wochen gefangen werden. Die Fallenfänge lagen im November auf ähnlich hohem Niveau wie in den vergangenen Jahren. Lediglich das Jahr 2014 wies höhere Fänge auf. Zum Jahreswechsel war eine weitaus geringere Aktivität der Kirschessigfliege anhand des Monitorings zu beobachten.

Auf dem Versuchsfeld des JKI Dossenheim waren am 22. Mai 2017 in der frühen Kirschsorte „Burlat“ erste Eiablagen festzustellen. Der Befall stieg bis zum 1. Juni auf 30 % an und die Kirschen wurden komplett geerntet. Die späteren Kirschsorten „Regina“ und „Kordia“ blieben aufgrund der für den Populationsaufbau ungünstigen Witterungsbedingungen bis zum Erntezeitpunkt Ende Juni/Anfang Juli befallsfrei. In unbehandelten und überreifen Kirschen nahm der Befall zu: z.B.: am 5.7.2017 „Kordia“ 70 %, „Regina“ 10 %, „Schattenmorellen“ ~ 16 %.

Auch Sommerhimbeeren waren aufgrund des verzögerten Populationsaufbaus wenig befallen. Herbsthimbeeren unterlagen dagegen einem stärkeren Befallsdruck und der Einsatz der verfügbaren Bekämpfungsmaßnahmen (Netze, Kulturpflege, komplette Pflücke, Insektizide) war erforderlich. Insbesondere der Einsatz von engmaschigen Netzen hat sich bewährt. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter: http://droso-demo-netz.julius-kuehn.de

Im Weinbau waren im Jahr 2017 kaum Schäden zu verzeichnen.

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